Leserbrief: Baurecht und Wasserskianlage am Oyter See
Der Anglerverein Achim ist als langjähriger Pächter der Fischereirechte, wie viele andere Nutzer auch, unmittelbar von den geplanten Erweiterungen am Oyter See betroffen. Daher beobachten wir seit Jahren die Bestrebungen hinsichtlich möglicher Nutzungen am Oyter See.
Bereits 2010 entstand durch Betreiben der Fa. Blue Ray die Idee der Nutzung des Oyter Sees durch eine große Wasserskianlage, geplant über den ganzen See. Dies führte in der Bevölkerung zu kontroversen Diskussionen und mündete letztendlich im Rahmen der Niedersächsischen Landtagswahl am 20.01.2013 in einer Abstimmung der Oyter Bürger. Mehrheitlich wurde eine Wasserskianlage abgelehnt.
Die Gemeinde Oyten hat die Idee eines Freizeitparks am Oyter See allerdings nie ganz aufgegeben. Im Jahr 2019 wurde ein Bürgerworkshop ins Leben gerufen und das Thema wieder auf die Tagesordnung gehoben. Es entstand ein Wakegarden, eigentlich nur probeweise und auf Zeit, mittlerweile in den Status der Illegalität gekommen, bestätigt auch durch das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Bauen.
Anfang 2023 mündete die Idee des Freizeitparks in einen „Runden Tisch“. Beteiligt waren daran mehrere Bürger und Anlieger (Schwimmer, Hundebesitzer, Grundstückseigentümer, Investoren, Anwohner, Anglerverein Achim). Auch ich habe für den Anglerverein Achim an diesem „Runden Tisch“ teilgenommen.
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass wir Angler trotz erheblicher Einschränkungen durch die geplante Wasserskianlage nicht gänzlich gegen die Planungen sind. Es ist durchaus verständlich, dass hier unterschiedliche Interessen aufeinander treffen und das Bestreben der Gemeinde Oyten zu einem tragfähigen Kompromiss lobenswert ist. Ich hatte jedenfalls den Eindruck, dass letztlich am besagten „Runden Tisch“ ein solcher Kompromiss gefunden wurde. Dies bedeutet aber, dass die dort gefundenen Verständigungen dann auch in den darauf folgenden Planungen Berücksichtigung finden. Jeder der Teilnehmenden hat ein Stück nachgeben und auf andere zugehen müssen, damit überhaupt ein Kompromiss gefunden werden konnte.
Nun kam es am 9. Februar dieses Jahres zu einer öffentlichen Sitzung des zuständigen Ausschusses des Gemeinderates. Vorgestellt wurde der Flächennutzungs- und Bebauungsplan für die umfangreichen Planungen (Wasserskianlage, Gebäudeneubauten) am Oyter See. Ich war bei dieser öffentlichen Sitzung anwesend und musste feststellen, dass der Entwurf zwar die Investoren und die Gemeinde zufrieden stellt, aber alle anderen gefundenen Kompromisse überhaupt nicht Beachtung gefunden haben.
So wurde im Abschlussprotokoll des „Runden Tisches“ vereinbart, dass eine Teilaufhebung des Landschaftsschutzgebietes nur mit einer Ausweisung von Ausweichflächen/Ausgleichsmaßnahmen zwingend einher geht. Dies war nicht ersichtlich. Auch ein Hundestrand ist bei den neuen Planungen nicht enthalten. Es sollte außerdem ein kostenloser Zugang zu den Parkplätzen ermöglicht werden, um einen Rückstau bis zur Straße Am Berg und das Ausweichen der Parkenden auf die Anliegerstraßen zu vermeiden. Dies ist nicht mehr geplant. Allerdings, wenn man einmal zusammen rechnet: knapp 600 Fahrzeuge täglich (gezählt von der Gemeinde) und dazu noch eine prognostizierte Steigerung von 20%. Bei 2 Euro pro Fahrzeug ergibt das ein hübsches Sümmchen für die Saison. Da kann ich durchaus verstehen, dass ein Investor auf so leicht verdientes Geld nicht verzichten möchte, egal ob dann durch Stau der Fahrzeuge Abgase in die Gärten der Anlieger wabern.
Eine zusätzliche Zufahrt mit Parkplatz über das eigene Grundstück der Gemeinde Oyten unmittelbar nach der Autobahnunterführung wurde mit der Begründung verworfen, dass das Grundstück ziemlich verwildert ist und erst einmal gerodet werden müsse. Außerdem befürchtet man auf der angrenzenden Wiese Verschmutzungen durch auslaufende Flüssigkeiten der dann dort parkenden Autos. (Was ist eigentlich mit all den Autos, die auf den bereits vorhandenen, naturbelassenen Stellplätzen des Campingplatzes neben den Wohnwagen abgestellt werden?).
Für uns als Anglerverein Achim stellt diese Anlage einen erheblichen Verlust an Uferzone dar. Wir baten um einen entsprechenden Ausgleich auf der dann noch zur Verfügung stehenden Seefläche, natürlich in Abstimmung mit dem Landkreis. Außerdem stellt schon jetzt das Verhalten der Stand-Up-Paddler ein Problem dar. Sie bewegen sich, vermutlich auf Grund ihrer Unsicherheit, in Ufernähe auf dem gesamten See. Zwangsläufig kommt es da zu Konflikten mit unseren Vereinsmitgliedern. Es sollte eigentlich verhindert werden, dass die Stand-Up-Paddler in den dann weiterhin unter Naturschutz stehenden Rest des Oyter Sees einfahren können. Dies sollte durch entsprechende Absperrmaßnahmen doch möglich sein, zumal bereits etliche mit Beton gefüllte Fässer die Spaßbereiche des Wakegardens an ihrer Position halten. Ähnliches wäre auch hier als Begrenzung möglich.
Vielleicht noch ein Hinweis aus dem Abschlussbericht des „Runden Tisches“. Ein Statement des Landkreises: Der Landkreis Verden wird der weiteren Erholungsfunktion des Sees nicht entgegenstehen, sofern es eine deutliche Absichtserklärung der Gemeinde gibt - erwartet aber die Beachtung verschiedener Bedürfnisse, explizit auch der fischereirechtlichen Pacht.
Eigentlich ist es doch so, dass gerade ein Flächennutzungs- und Bebauungsplan dafür geeignet ist, bestimmte Dinge dort aufzunehmen und baurechtlich vorzuschreiben. Schließlich kann man Bauhöhe, Parkplätze, Dachneigung, Pfannenfarbe etc. in anderen Baugebieten durchaus vorgeben, warum also nicht hier?
All diese ausgearbeiteten Kompromisse habe ich bei der Vorstellung am 9. Februar vermisst.
Bei der anschließenden Bürgerfragestunde konfrontierte ich auch die Bürgermeisterin, Frau Röse, mit dieser „Ungleichheit“. Sie konnte mir leider keine Antwort geben und bat mich auf ein persönliches Gespräch ins Rathaus. Ich würde zeitnah einen Termin bekommen. Dies ist leider bis heute nicht geschehen.
Es stellt sich demnach eigentlich nur noch eine Frage. Warum wurde eigentlich mit so viel Aufwand der „Runde Tisch“ abgehalten, wenn schlussendlich nur die Bedürfnisse der Investoren Beachtung fanden. Sollte dies vielleicht alles nur dem Zweck dienen, dass bei diesem Projekt eine intensive Bürgerbeteiligung vorgegaukelt wurde?? Aber das kann doch nicht sein. Am 9. Februar haben doch die demokratisch gewählten Mandatsträger in dem besagten Ausschuss einstimmig für das Projekt gestimmt. Diese Mandatsträger sollen doch für den Bürger und seine Interessen handeln und votieren. Wenn sie das denn getan haben, dann ist es ja gut. Wehe dem, der dabei etwas Böses denkt!!
Ulrich Spiedt
2. Vorsitzender
Anglerverein Achim
von Tim-Ole Sanmann